INHALT
Unternehmensfotografie: Meine Werte als Fotograf
Der Satz, den ich bei Terminen am häufigsten höre, fällt meistens in den ersten Minuten: Ich bin nicht fotogen. Er kommt von Vorständen genauso wie von Auszubildenden, und was danach passiert, entscheidet über das Bild. Nicht die Kamera. In solchen Momenten lasse ich sie erst einmal liegen. Wie ich arbeite, hängt weniger an Technik als an einer Haltung, die sich über zwei Jahrzehnte gefestigt hat. Die schreibe ich hier einmal auf, weil sie erklärt, warum meine Bilder so aussehen, wie sie aussehen.
Bilder, die nicht nach Inszenierung aussehen
Ich stehe für eine moderne Bildsprache, die Menschen zeigt, wie sie sind, und nicht, wie eine Bildagentur sich einen Mitarbeitenden vorstellt. Das fängt beim Licht an und hört bei der Retusche auf. Meine Standardbearbeitung nimmt Hautrötungen, Augenringe, Brillenreflexe und Knitterfalten heraus, aber die Haut behält ihre Poren. Wer sein Corporate Portrait anschaut, soll sich erkennen und nicht eine geglättete Version von sich. Menschen merken sofort, wenn ein Bild zu perfekt ist. Sie können es selten benennen, aber sie glauben dem Bild dann nicht mehr. Genau da beginnt der Schaden für ein Unternehmen, das mit diesen Bildern um Bewerbende wirbt.
Vorstand und Auszubildender bekommen denselben Termin
Begegnungen auf Augenhöhe sind für mich keine Floskel. Bei einem Termin mit festgelegtem Setting rechne ich zehn bis fünfzehn Minuten pro Person, unabhängig von der Position im Organigramm. Diese Zeit brauche ich nicht für die Aufnahme, sondern für alles davor: eine richtige Begrüßung, ein paar Sätze, ein Gefühl dafür, wem ich gegenüberstehe. Ein Ablauf nach dem Muster Hallo, zack zack, Foto, Wiedersehen bringt genau die Bilder hervor, die später niemand verwenden will. Wer in einer Employer-Branding-Produktion zwanzig Menschen fotografiert und dem einundzwanzigsten weniger Aufmerksamkeit schenkt, sieht das am Ende in der Bildstrecke. Die Unterschiede sind klein, aber sie summieren sich.
Partner statt Auftragsabwickler
Mit Unternehmen, für die ich arbeite, verstehe ich mich als Partner. Das heißt in der Praxis, dass ich im ersten Gespräch nicht frage, wie viele Bilder es sein sollen, sondern wofür sie gebraucht werden. Manchmal endet das damit, dass ich von einer kompletten Neuproduktion abrate und stattdessen vorschlage, den vorhandenen Bildpool zu ergänzen, wenn ich ohnehin für ein Event im Haus bin. Das ist der kleinere Auftrag. Es ist aber die ehrlichere Antwort, und sie hat mir mehr langjährige Kunden gebracht als jedes Angebot, das schnell unterschrieben wurde. Für Industriefotografie gilt das genauso wie für Portraittermine: Wer mich bucht, bekommt vorher meine Einschätzung, auch wenn sie dem Budget widerspricht. Natürlich kann es auch vorkommen, das ich dazu rate, einmal komplett alles neu zu fotografieren, wenn ich schon einmal im Haus bin. Ich versuche aber auch, Mehrkosten für den Kunden zu vermeiden, wo es möglich ist.
Technik verändert sich, die Haltung nicht
Ich fotografiere seit über zwanzig Jahren ausschließlich, und in dieser Zeit hat sich an diesem Beruf fast alles verändert. Angefangen habe ich mit großen Fachkameras, die riesige Negative und Polaroids erzeugten, stand im Labor um die besten Ergebnisse zu belichten. Heute arbeite ich kommerziell ausschließlich digital und tethered, das Bild landet also direkt auf dem Monitor, und der Kunde sieht während des Termins, was entsteht. Das nimmt vielen die Anspannung und beendet Diskussionen über Posen, bevor sie anfangen. Meine Lichtsetzung passe ich weiter an, meine Bildsprache auch, weil sich die Ansprüche und vor allem auch die Bildsprache an Unternehmensfotografie (oder der Fotografie im Allgemeinen) alle paar Jahre verschieben. Dass Auftraggeber wie Google, Materna oder die Stadt Dortmund über Jahre wiederkommen, liegt aus meiner Sicht nicht an einem einzelnen Bild, sondern daran, dass sie wissen, was sie bei mir bekommen.
Am wichtigsten ist mir das, was sich am schlechtesten in ein Leistungsverzeichnis schreiben lässt: Ich spiele keine Rolle. Es gibt keine Fotografen-Persona, die ich beim Betreten eines Unternehmens aufsetze, und kein Skript für den Smalltalk. Wer mit mir arbeitet, bekommt dieselbe Person, die am Telefon war. Wenn du für dein Unternehmen jemanden suchst, der zuerst zuhört und dann fotografiert, findest du auf meiner Seite zum Werbefotografen den Einstieg, und hier etwas mehr über meinen Weg dahin.
FAQ
FOTOGRAFIE
Über Preise, Locations und Abläufe spreche ich mit Kunden fast täglich, über Haltung dagegen selten, obwohl sie den Unterschied zwischen zwei Angeboten oft besser erklärt als jede Leistungsbeschreibung. Wenn du gerade einen Fotografen für dein Unternehmen auswählst, sind das die Fragen, die dir im Vergleich mehr bringen als die Frage nach dem Tagessatz. Ich beantworte sie dir hier so, wie ich sie auch im ersten Telefonat beantworten würde, mit konkreten Zahlen, wo ich welche habe, und mit einer klaren Meinung, wo es um Einschätzung geht. Fünf davon kommen regelmäßig, und die habe ich im Folgenden ausführlich beantwortet.
Woran erkenne ich vor der Buchung, ob die Bildsprache eines Fotografen zu meinem Unternehmen passt?
Schau dir nicht die Einzelbilder an, sondern eine komplette Strecke aus einem Projekt. Bei zwanzig Bildern aus einem Termin siehst du, ob die Qualität von der ersten bis zur letzten Person hält, oder ob nur drei Motive für das Portfolio ausgesucht wurden. Achte auf die Gesichter: Wirken die Menschen dort wie Kollegen, die du kennst, oder wie Models. Frag außerdem nach einer Produktion aus deiner Branche. Eine Bildsprache, die im Konzern funktioniert, passt nicht automatisch in einen Handwerksbetrieb mit fünfzehn Mitarbeitenden.
Wie gehst du mit Mitarbeitenden um, die nicht vor die Kamera wollen?
Ich zwinge niemanden und ich beeile mich nicht. Die zehn bis fünfzehn Minuten, die ich pro Person einplane, sind genau dafür da: Wer angespannt ankommt, braucht die ersten Minuten, um anzukommen. Ich erkläre, was ich mache, und zeige das erste Bild direkt am Monitor, weil die meiste Unsicherheit daher kommt, dass jemand nicht weiß, wie er aussieht. Wenn jemand grundsätzlich nicht möchte, sage ich das dem Unternehmen auch so. Ein erzwungenes Porträt erkennt später jeder, der es anschaut.
Was heißt bei dir Beratung, bevor ein Angebot entsteht?
Ich frage zuerst, wofür die Bilder gebraucht werden, und nicht, wie viele es sein sollen. Aus der Antwort ergibt sich meistens von selbst, ob ein Termin reicht oder ob mehrere Settings nötig sind. Dazu schaue ich mir an, was ihr schon habt, denn oft ist ein Teil des Bestands weiter nutzbar, als ihr denkt. Diese Vorabklärung kostet nichts und dauert selten länger als ein Telefonat. Sie verhindert die teuerste Variante, nämlich eine Produktion, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigeht.
Rätst du Kunden auch mal von einem Shooting ab?
Ja, und zwar regelmäßig. Wenn ein Unternehmen vor allem zwei neue Kolleginnen abbilden muss und der restliche Bestand aus einer Produktion vor zwei Jahren stammt, braucht es keine komplette Neuaufnahme aller Mitarbeitenden. Dann ergänzen wir gezielt. Umgekehrt sage ich genauso deutlich, wenn ein Bildbestand älter als drei bis vier Jahre ist und ein einzelnes neues Porträt in dieser Umgebung auffallen würde wie ein Fremdkörper. Beides ist unangenehmer als ein schnelles Ja, aber es ist der Grund, warum Kunden nach Jahren wiederkommen.
Wie sorgst du dafür, dass Bilder von Vorstand und Auszubildenden zusammenpassen?
Durch denselben Aufbau und denselben Ablauf für alle. Ich baue das Licht einmal auf und lasse es stehen, damit Hierarchien nicht über die Bildwirkung transportiert werden. Wer im Bildpool eines Unternehmens blättert, soll ein Team sehen und keine Rangordnung. Das ist auch eine praktische Entscheidung: Eine einheitliche Strecke lässt sich Jahre später ergänzen, wenn neue Mitarbeitende dazukommen. Bei unterschiedlichen Lichtsituationen pro Person ist ein Nachschießen im selben Look kaum möglich.







