INHALT
Fotograf für den Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung
Vier Jugendliche warten im Studio an der Huckarder Straße auf ihren Einsatz vor der Kamera, manche zum ersten Mal, andere sind bereits ein wenig erfahrener. Ich fotografiere zum zweiten Mal für die Agentur P.AD. aus Meinerzhagen Teenagerinnen und Teenager für die Bebilderung des Schülerwettbewerbs der Bundeszentrale für politische Bildung, dem größten und ältesten deutschsprachigen Wettbewerb zur politischen Bildung. Gecastet haben wir schon Wochen vorher, gemeinsam mit der Agentur, und bewusst nicht über eine Modelagentur, sondern zum Teil aus meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis.
Die Vorbereitung: Jugendliche aus dem Bekanntenkreis statt aus der Modelkartei
P.AD. wollte für den Schülerwettbewerb der bpb ausdrücklich keine professionellen Models, sondern Jugendliche, die aussehen wie echte Schülerinnen und Schüler. Gemeinsam mit der Agentur habe ich deshalb schon Wochen vor dem eigentlichen Termin überlegt, welche Rollen aus dem Briefing zu welchen Jugendlichen aus meinem Umfeld passen, und bin dafür gezielt in meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis fündig geworden statt in einer Modelkartei zu suchen. Das kostet im Vorfeld mehr Telefonate und Absprachen mit Eltern als ein klassisches Casting über eine Agentur, bringt am Ende aber genau die unverstellte Wirkung, die eine Kampagne über Schule und politische Bildung braucht. Die Agentur hat sich ebenfalls an der Suche beteiligt und so stammen die Jugendlichen aus beiden Pools.
Am Shootingtag zählt vor allem eines: die Jugendlichen vor der Kamera führen
Im Mittelpunkt des Projekts steht für mich nicht die Vorbereitung, sondern der eigentliche Tag im Studio. Anders als bei gebuchten Models kennt kaum einer der Jugendlichen den Ablauf vor der Kamera, viele stehen zum ersten Mal im Studiolicht und suchen nach der ersten Anweisung automatisch den Blick der mitgekommenen Eltern statt in die Kamera. Meine Aufgabe an diesem Tag ist deshalb weniger Technik (die für mich als Profi eh Routine ist) als Führung, kurze und klare Ansagen statt langer Erklärungen, ein Lob nach dem ersten gelungenen Bild, und genug Tempo im Ablauf, damit die Konzentration über alle Jugendlichen hinweg nicht schon zu Beginn verpufft. Wer diese Führung nicht mitbringt, bekommt bei ungeübten Jugendlichen selten entspannte Portraits, egal wie gut das Licht steht.
Eine Rolle brauchte besonders viel Vorbereitung, und sie hat sich gelohnt
Am meisten Vorlauf hat bei der Vorbereitung eine einzelne Rolle gekostet, für die ein autistischer Junge gesucht wurde. Für diese Rolle in meinem Bekanntenkreis eine passende Familie zu finden und gleichzeitig auf seine Bedürfnisse für ein Studio-Shooting mit engen Briefingvorgaben einzugehen, hat mehr Zeit und Telefonate gebraucht als jede andere Besetzung. Am Shootingtag hat sich der Aufwand ausgezahlt. Der Junge kam offen und zugewandt vor die Kamera, hat das Team im Set mit seiner Art sichtlich für sich eingenommen, und die Portraits, die dabei entstanden sind, gehören zu den stärksten Aufnahmen des Tages.
Portraits vor Weiß, damit sie später ins fertige Kampagnenmotiv passen
Fotografiert haben wir nach engen Briefingvorgaben der Agentur, jedes Portrait vor neutralem weißen Hintergrund und in vergleichbarem Bildausschnitt, damit sich später alle Aufnahmen sauber freistellen und in den bereits entwickelten Look der Kampagne einsetzen lassen. Technisch heißt das für mich zwei Softboxen frontal auf das Model plus ein separates Licht auf den Hintergrund, damit kein Schlagschatten hinter den Köpfen entsteht und die Freisteller-Kante beim Ausschneiden sauber bleibt. Kopffreiraum und Kameraabstand halte ich bei jedem Jugendlichen bewusst gleich, sonst wirken die Personen später im fertigen Layout unterschiedlich groß, obwohl sie nebeneinander platziert werden sollen. Diese Präzision beim Aufbau gehört für mich zur Werbefotografie für Kampagnen genauso dazu wie die Geduld, mit der ungeübte Jugendliche vor der Kamera erst zur Ruhe kommen müssen.
Der eigentliche Unterschied zu einem Shooting mit gebuchten Models liegt für mich weniger im Vorlauf als in der Führung am Tag selbst, in der Geduld für die erste Unsicherheit vor der Kamera und im richtigen Tempo, damit aus mehreren ungeübten Jugendlichen am Ende ruhige, gleichwertige Portraits werden. Mehr über meine Arbeit als Fotograf für Werbeagenturen und Institutionen zeigt meine Über-mich-Seite.
FAQ
FOTOGRAFIE
Nach Terminen wie diesem für die Agentur P.AD. und die Bundeszentrale für politische Bildung werde ich oft gefragt, wie sich ein Kampagnen-Shooting mit ungeübten Jugendlichen von einem klassischen Business-Shooting unterscheidet, und wie ich Jugendliche finde, wenn ausdrücklich keine professionellen Models gewünscht sind. Die Fragen kommen meist von Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern in Werbeagenturen, die selbst überlegen, ein Shooting mit mehreren Jugendlichen an einen Fotografen mit eigenem Netzwerk zu vergeben, statt jede Rolle über eine Modelagentur zu besetzen. Deshalb beantworte ich dir hier die Fragen, die mir zu diesem Format am häufigsten gestellt werden, von der Vorbereitung über die Führung am Drehtag bis zur Lieferzeit der freigestellten Portraits. Ob du selbst eine Kampagne mit mehreren Jugendlichen planst oder nur wissen willst, wie ein solcher Tag in meinem Studio abläuft: Hier bekommst du konkrete Antworten aus einem aktuellen Projekt für den Schülerwettbewerb der bpb.
Wie hast du die Jugendlichen für dieses Projekt gefunden, wenn keine professionellen Models gewünscht waren?
Für dieses Projekt haben P.AD. und ich bewusst keine Modelagentur eingeschaltet, sondern schon Wochen vor dem Shootingtermin gemeinsam überlegt, welche Jugendlichen aus meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis sowie dem Umfeld der Agentur zu den Rollen aus dem Briefing passen. Für vier Teenagerinnen und Teenager habe ich auf diesem Weg passende Familien gefunden und Termin, Ablauf und Einverständnis direkt mit den Eltern abgestimmt, ohne den Umweg über eine externe Modelkartei.
Wie läuft ein Fotoshooting mit mehreren ungeübten Jugendlichen im Studio ab?
Ein Shooting mit mehreren ungeübten Jugendlichen dauerte hier einen halben Tag für die Teenagerinnen und Teenager. Weil kaum einer der Jugendlichen Erfahrung vor der Kamera hat, arbeite ich mit kurzen, klaren Ansagen statt langer Erklärungen und nehme mir für die ersten Minuten jedes Einzelnen bewusst mehr Zeit, damit sich die Anspannung löst, bevor die eigentlichen Portraits entstehen. Zudem hilft der Blick auf dem an die Kamera angeschlossenen Rechner die ersten Unsicherheiten zu nehmen.
Warum werden Kampagnenportraits vor weißem Hintergrund fotografiert statt direkt im fertigen Motiv?
Portraits vor weißem Hintergrund lassen sich später präzise freistellen und in ein bereits entwickeltes Kampagnenmotiv einsetzen, ohne dass am Kopf oder an den Schultern Reste des ursprünglichen Hintergrunds sichtbar bleiben. Für den Schülerwettbewerb der bpb habe ich deshalb jedes der Portraits mit gleichem Kameraabstand und separatem Hintergrundlicht fotografiert, damit die Freisteller-Kante sauber bleibt und alle Personen später im gleichen Maßstab in den fertigen Look eingebaut werden können.
Wie schnell bekommt eine Agentur die fertigen, freigestellten Portraits nach dem Shooting?
Nach einem Studio-Shooting mit mehreren Jugendlichen liefere ich die fertig bearbeiteten und freigestellten Portraits in der Regel innerhalb einer Woche. Bei der aktuellen Kampagne für P.AD. und die Bundeszentrale für politische Bildung lag die komplette Auswahl innerhalb dieser Woche vor, sodass die Agentur die Bilder direkt in die Bebilderung des Schülerwettbewerbs einbauen konnte.
Fotografierst du auch für Institutionen wie Bundes- oder Landeszentralen, nicht nur für Werbeagenturen und Unternehmen?
Ja, neben Aufträgen von Unternehmen und Agenturen fotografiere ich auch für Institutionen, zuletzt über die Agentur P.AD. für die Bundeszentrale für politische Bildung und deren Schülerwettbewerb, den größten und ältesten deutschsprachigen Wettbewerb seiner Art für Schülerinnen und Schüler der Klassen vier bis zwölf. Der fotografische Anspruch bleibt dabei derselbe wie bei einem Unternehmensauftrag, nur Zielgruppe und Verwendungszweck der Bilder unterscheiden sich.







