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Bewerbungsfotos, die nicht nach Bewerbungsfotos aussehen
Clara kam mit einer klaren Vorstellung ins Studio. Sie hatte sich auf eine spannende kreative Stelle beworben — und wollte Fotos, die nicht nach den üblichen Bewerbungsunterlagen aussehen. Kein weißer Hintergrund, keine steife Körperhaltung, kein Lächeln auf Befehl. Sie wollte etwas, das zeigt, wer sie ist. Das ist eine andere Ausgangssituation als ein klassisches Businessportrait für Unternehmenskommunikation — und sie erfordert eine andere Herangehensweise.
Warum Standard-Portraits bei kreativen Stellen nicht funktionieren
Wer sich in einem kreativen Umfeld bewirbt — Theater, Agentur, Kulturinstitution, Designstudio — wird von Menschen beurteilt, die täglich mit Bildsprache arbeiten. Die erkennen sofort, ob ein Foto vom Band kommt. Ein generisches Portrait mit neutralem Hintergrund und korrekter Belichtung signalisiert dort weniger Professionalität als eher Einfallslosigkeit. Das klingt hart, ist aber der Maßstab dieser Branche.
Claras Bilder sollten auch das Darstellen, was die zukünftige Jobrolle verlangt: Charakter und Stärke. Genau das wollte ich in den Bildern transportieren — nicht als inszenierte Aussage, sondern als natürliche Präsenz.
Wie die Session im Studio lief
Wir haben uns Zeit gelassen. Kein enger Zeitplan, kein Abarbeiten von Posen, kein festes Lichtsetting. Zwei Outfits, zwei komplett verschiedene Bildstimmungen: einmal ein schwarzer Blazer mit hellem Rollkragen — klarer, ruhiger Look — und dann eine weiße Oversized-Bluse, die in der Körpersprache mehr Spielraum ließ. Das ist beim klassischen Schauspielportrait nicht anders: Das Kostüm ändert, wie jemand sitzt, atmet, in die Kamera schaut.
Ich arbeite in solchen Sessions bewusst ohne starres Konzept. Der erste Entwurf entsteht beim Einrichten des Lichts, der Rest im Gespräch. Was am Ende zählt, ist nicht der perfekte Ausschnitt, sondern der Moment, in dem jemand vergisst, dass eine Kamera im Raum steht. Bei Clara war das sehr schnell der Fall.
Entstanden sind Aufnahmen in Farbe und Schwarzweiß — beide Varianten haben ihre Berechtigung. Die Farbversionen transportieren Wärme und Zugänglichkeit, die Schwarzweißbilder eine Ernsthaftigkeit, die in bestimmten Bewerbungskontexten stärker wirkt. Welche Version man einsetzt, hängt vom Kontext ab: Website, LinkedIn oder die eigentliche Bewerbungsmappe.
Was ein Portrait leisten muss, das auffällt
Ein gutes Bewerbungsfoto für kreative Positionen hat drei Eigenschaften, die ich in jeder Session anstrebe. Erstens: Es muss sofort erkennbar machen, wer die Person ist — nicht welchen Job sie macht. Zweitens: Die Körpersprache muss stimmig sein, nicht gestellt. Drittens: Das Bild muss auch ohne Kontext funktionieren — also auch dann, wenn es aus der Bewerbungsmappe herausgelöst und auf einer Website oder einem Social-Media-Profil eingesetzt wird.
Das gilt übrigens nicht nur für Kulturschaffende. Auch in der Businessfotografie für Unternehmen aus dem Ruhrgebiet wird Bildsprache, die echte Persönlichkeit zeigt, zunehmend wichtiger. Der Unterschied zwischen Claras Situation und einem Unternehmensportrait liegt vor allem im Freiheitsgrad — sie hatte mehr Spielraum, weil kein Corporate Design vorgegeben war.
Was ich aus dieser Session mitgenommen habe: Die interessantesten Portraits entstehen dann, wenn jemand mit einem konkreten Ziel ins Studio kommt, aber offen ist für das, was sich im Prozess ergibt. Clara wusste, was sie wollte. Und ließ dann los. Das Ergebnis zeigt beides.
FAQ
FOTOGRAFIE
Wenn du dich auf eine kreative Stelle bewirbst, stellen sich andere Fragen als bei einer klassischen Bewerbung. Welche Bildsprache passt zu welchem Umfeld? Macht es einen Unterschied, ob die Fotos in Farbe oder Schwarzweiß sind? Und wie läuft so eine Session überhaupt ab, wenn kein Corporate Design vorgibt, wie das Ergebnis auszusehen hat? Ich bekomme diese Fragen regelmäßig — von Menschen, die zum ersten Mal in ein Fotostudio kommen, aber auch von solchen, die schon Erfahrung mit Bewerbungsfotos haben und merken, dass das bisher Gemachte für ihre neue Situation nicht mehr stimmt. Die folgenden Antworten basieren auf meiner Erfahrung aus vielen solchen Sessions in meinem Studio in Dortmund.
Brauche ich für eine Bewerbung in einem kreativen Umfeld wirklich andere Fotos als für eine Stelle in einem Unternehmen?
Ja, und das hat einen konkreten Grund. In kreativen Umfeldern — Theater, Agentur, Kulturinstitution, Designstudio — entscheiden Menschen, die täglich mit Bildern und Bildsprache arbeiten. Die merken sofort, ob ein Foto standardisiert ist. Ein generisches Portrait signalisiert dort Einfallslosigkeit, kein Unternehmen. Wer in diesem Umfeld auffallen will, braucht Bilder, die Persönlichkeit transportieren, nicht nur Korrektheit. Das bedeutet nicht zwingend ungewöhnliche Aufnahmen — aber es bedeutet, dass Körpersprache, Licht und Styling gemeinsam eine Aussage ergeben müssen, die über das reine Porträt hinausgeht.
Wie viele Outfits oder Varianten sollte ich für eine solche Session mitbringen?
Zwei Outfits sind in den meisten Fällen das Sinnvollste. Mehr wird schnell unübersichtlich und verlängert die Session ohne proportionalen Gewinn. Entscheidend ist, dass die beiden Varianten wirklich verschieden sind — nicht nur in der Farbe, sondern in der Wirkung. Ein strukturiertes, eher formales Outfit und eine lockerere, persönlichere Variante geben dir am Ende zwei verschiedene Bildstimmungen, aus denen du je nach Einsatzkontext wählen kannst. Welches Outfit du wählst, beeinflusst auch, wie du dich im Studio bewegst — und damit die Körpersprache in den Bildern.
Macht es einen Unterschied, ob Bewerbungsfotos in Farbe oder Schwarzweiß sind?
Ja, und die Wahl sollte bewusst getroffen werden. Farbbilder transportieren Wärme, Zugänglichkeit und oft eine direktere Wirkung. Schwarzweißbilder wirken konzentrierter, manchmal distanzierter — aber auch zeitloser und mit einer bestimmten Ernsthaftigkeit, die in manchen Bewerbungskontexten genau das Richtige ist. Sinnvoll ist es, beide Varianten aus einer Session herauszuholen, wenn das Motiv es hergibt. Du kannst dann entscheiden, welche Version in welchem Kontext eingesetzt wird — Bewerbungsmappe, Website oder LinkedIn-Profil haben unterschiedliche Anforderungen.
Wie läuft eine Portrait-Session im Studio ab, wenn kein festes Konzept vorgegeben ist?
Ich beginne immer mit einem kurzen Gespräch: Was ist das Ziel der Bilder, wo werden sie eingesetzt, was sollen sie über dich sagen? Dann richte ich das Licht ein, und wir testen gemeinsam verschiedene Positionen und Haltungen — ohne Zeitdruck. Der erste Teil einer Session ist oft noch ein Eingewöhnen, das eigentliche Material entsteht meistens nach zwanzig bis dreißig Minuten, wenn die Kamera aufgehört hat, als Objekt im Raum zu wirken. Ich gebe Hinweise zur Körperhaltung, aber keine starren Posen. Das Ergebnis soll zeigen, wer du bist, nicht wie gut du eine Anweisung umsetzen kannst.
Kann ich solche Portraits auch für andere Zwecke nutzen, zum Beispiel für LinkedIn oder eine eigene Website?
Das ist sogar empfehlenswert. Ein Portrait, das für eine Bewerbung stark genug ist, funktioniert in der Regel auch auf LinkedIn, auf einer persönlichen Website oder in anderen professionellen Kontexten. Achten solltest du darauf, das richtige Format für den jeweiligen Kanal zu wählen — LinkedIn schneidet quadratisch zu, viele Websites bevorzugen Hochformat. Wenn du das beim Shooting weißt, kann ich die Bildausschnitte bereits entsprechend anlegen. Die Investition in ein gutes Portrait zahlt sich also mehrfach aus, weil dasselbe Bild in verschiedenen Zusammenhängen eingesetzt werden kann.







